2020, kann das weg?

Ein bisschen flapsig und mit einer gewissen Ironie sage ich hin und wieder  „2020, das Jahr kann weg!“

Doch ist das wirklich so? Ich meine, betrachten wir es uns doch mal genauer. Ich habe sehr viel geschafft in diesem Jahr. 

Emotional war es eine Reise von Höhen und Tiefen, viel erlebt, viel geplant und neue Projekte angegangen.

Finanziell ging es ein bisschen besser, da ich wieder versuchte, ins Arbeitsleben zurückzukehren.

Familiär? Ooh, das braucht ein eigenes Kapitel und ist sehr privat. Doch meine Söhne sind mir so nah gerückt wie noch nie. Durch Corona hatten wir viel Zeit zum Reden, Basteln, Lernen. Max ist in der zweiten Klasse und benötigt nun keine Schreibhilfe mehr. Die Therapien zeigen Fortschritte. Es ist unglaublich schwierig, immer alles unter einen Hut zu bekommen doch irgendwie habe ich das mit Rückhalt geschafft.

Gesundheit ist ein Thema, das mich sehr sehr beschäftigt hat. Wie ihr ja mitbekommen habt, versuche ich seit Jahren an mir zu arbeiten und Gewicht zu verlieren, um ein besseres Leben zu bekommen. Dazu die Liposuktionen und eine Armstraffung haben 2020 für mich spannend gestaltet. Leider kamen einige Neudiagnosen dazu, die mir den Boden unter den Füssen weg rissen.

Dann kam der Mai und im Kopf sortierte ich grade meine neuen Erkrankungen als das Unfassbare passierte.

Wir waren im Garten und wollten es uns schön machen. Mein Mann war nicht so gut zurecht und ich dachte erst er hat sich den Magen verstimmt. Wir aßen bei Kerzenschein und Lagerfeuer zu Abend. Zu diesem Zeitpunkt ging es uns gut. Die Nacht war unruhig und ich erwachte, weil mein Magen wieder mal Spirenzchen machte. Carsten sass auf dem Feldbett und er sah… schlimm aus.

Sowas hatte ich noch nie bei ihm gesehen. Erst dachte ich, es ist der Schein der Halogenlampe im Pavillion, doch es war anders. Mein Gefühl sagte mir nichts Gutes. Sein Gesicht eingefallen, fahl, nicht mehr hautfarbend oder so nein es war ein kaltes Grau. Kennt ihr Momo und die Zeiträuber die immer Zigarre rauchen damit sie leben? GENAUSO – und das machte mir Angst. Ich ging zu ihm und spürte den kalten Schweiss in Strömen über sein Gesicht laufen. Er klagte über Schmerzen in der Brust. Nach kurzer Diskussion fuhren Heiko und er in die Mainzer Uni-Klinik.

Ab diesem Zeitpunkt musste ich um das Leben meines Mannes bangen. Ich legte mich wieder zu unseren schlafenden Sohn und wusste nicht ob ich Carsten wiedersehe. Mein Gefühl war nicht gut und so weinte ich. Da war ich allein im Garten, mein Mann im Krankenhaus. Irgendwann morgens kam eine Nachricht von Heiko, der sich auf den Rückweg befand: Wir reden später, Carsten bleibt da.

Das war die nette Version und ich wusste das. Mein Bauch krampfte sich zusammen mir wurde übel und ich hatte so Schmerzen. ich wusste, dass er nun mit sich kämpfte und ich wusste, dass er Ärzte bei sich hatte, die alles Menschenmögliche tun. Jedenfalls redete ich mir das Mantramässig ein. Max wurde wach und ich versuchte ihm nicht die volle Wahrheit zu sagen. Er sollte noch einen schönen Tag im Garten haben.

Wir verbrachten dort den Tag, warteten, weinten, bangten und ich versuchte mehrfach, die Uniklinik in Mainz zu erreichen und Informationen zu bekommen. Ich bekam keine. Es ging weiter und nach 2 Tagen erreichte ich eine Herzstation, die mir mitteilte, dass mein Mann auf Intensivstation liegt und um sein Leben kämpft. Er müsse nur die nächsten Tage überstehen – ein Arzt würde mich noch anrufen und mir alles erklären. Durch Covid19 war alles geschlossen und ich durfte nicht zu ihm. Die Stunden vergingen quälend langsam. Meine Freundinnen waren für mich da – Danke – <3

Der Arzt meldete sich nicht. Also rief ich in der Klinik an, hangelte mich von Station zur Station – es spielte keine Rolle mein Mann lag da, der Mann, der die letzten 16 Jahre an meiner Seite war, der Mann, der mir half einen Fuss vor dem anderen zu setzten, der Mann, der bei der Entbindung da war, der Mann der immer mein Fels in der Brandung war, war im Begriff mich/uns zu verlassen? Ich hatte so Herzklopfen bis zum Hals. Meine Atmung ging sehr flach, ich traute mich kaum zu atmen. Dann endlich nach 1,5 Std. erreichteich eine Stationsschwester die den Namen kannte.

Doch was dann kam…

Ich erzähle es Euch:

Die Schwester am Telefon sagte: „Tut mir leid Frau Kerkhoff, ihr Mann liegt nicht mehr auf der Intensivstation.“
Ich so:“ Was? Wieso nicht wo ist er denn?“
Ja das kann ich ihnen nicht sagen doch sie können in einer Stunde nochmal anrufen dann sag ich ihnen das.“

Ich war verwirrt und rief natürlich eine Stunde später wieder an.
„Ach der Herr Kerkhoff?  Mhh der ist nicht mehr da.. kleinen Moment, ich frage mal“
Die Schwester hatte mich noch am Telefon und wandte sich wohl zu einer Kollegin. Ob sie den Höhrer zuhielt oder nicht kann ich nicht sagen. Sie meinte: „Du sag mal Gertrud“ (Name frei erfunden, da ich ihn echt nicht weiss) „der Herr Kerkhoff, ist der in der Pathologie oder auf der Zwischenstation?“
In diesem Moment wollte ich nur schreien, doch ich sass da und versuchte nicht zu weinen. Dann kam sie wieder zurück und meine: „Frau Kerkhoff, wir sind uns nicht ganz sicher, wo sich ihr Mann aufhält. Er hatte eine 9 stündige Notoperation und hat es so grade geschafft. Doch er ist nicht mehr auf der Intensivstation. Vielleicht rufen sie mal auf Station x an und fragen, ob er da angekommen ist. Es tut mir leid, durch Covid geht es hier etwas anders zu als sonst.“

Gesagt getan und da erfuhr ich dann das mein Mann auf eine Zwischenstation lag. Er wurde weiterhin überwacht und er lebte.

Immerhin lebte er! Das war so schön. Mit ihm sprechen durfte ich nicht, er konnte es nicht und wieder verging ein Tag. Dann kam eine Sprachnachrit und mein Mann kaum zu verstehen aber er war es, sagte: Ich bin da… ich lebe! Mehr brachte er nicht raus. Es war.. wow. Ich weinte und diesmal auch vor Max und nahm in in den Arm und sagte  zu dem kleinen: „Siehste, die Ärzte machen ihn wieder gesund wie bei Mama <3

Max freute sich und fragte aber: „War das wirklich Papa?“

Carsten hat es geschafft – Wir haben es geschafft und unsere Freunde haben uns sehr viel geholfen. Nun musste ich viel stemmen und vor allem meine Termine wahrnehmen. Termine vor denen ich so grosse Angst hatte. Neue Ärzt , neue Umgebung und dennoch. Ich muss gesünder werden. Wir wussten ja nicht wie fit Carsten wieder wird wenn er nach Hause kommt, wann er nach Hause kommt und all sowas.

Hier nochmal DANKE DANKE DANKE an Alex der tagelang den Koffer von Carsten versuchte in der Klinik abzugeben. Es gab nun Kofferabgabezeiten wegen Corona und es war alles nicht so einfach. <3  Mensch ihr seid alle so Schätze <3 Danke das es Euch gibt! Grade die die im Mai an unserer Seite standen. Eine Fine sahen wie sonst kaum einer… und mich dennoch mögt.

 

Danke Janine Loos für das schöne Bild <3

Also fuhr mich meine Freundin Claudia zu einem Termin, der für mich Klarheit bringen sollte. Ja, das brachte er und er brachte mir diverse Neudiagnosen und Krankengymnastik, Schmerzinfusionen, Fango, Manuelle Therapien und und und. Also stellte ich mich dem auch. Sogar die Cortisoninfusionstherapie habe ich begonnen. Mein Gewicht war halbwegs ok aber ich hatte jeden Tag Kämpfe mit mir und meinen alten Geistern nicht in alte Verhaltensmuster zu fallen. Psychisch brauchte ich meine ganze Kraft für meinen Sohn, für meinen Mann und auch für mich. Darius, mein grosser Sohn, war auch da und versuchte ab und an den kleineren abzulenken. Dies half ein bisschen.

Nun musste ich wieder erneut laufen lernen, Schritt für Schritt, und diesmal alleine – mein Mann konnte die Belastung nicht tragen und die Angst, dass sein Brustkorb aufreisst, falls ich falle war zu gross. Er hat eine lange Narbe und das Sternum wurde mit Draht vernäht. Das ist wohl eine übliche Prozedur.

Er hat es geschafft, er hat seine Reha abgeschlossen, und auch die Wundheilungsstörung ist abgeheilt. Nun hat er leider ein Lymphödem behalten und dank der passenden Kompressionsversorgung vom Sanitätshaus für Frauen Pia Püttmann hat er das gut im Griff.

Das alles war nicht einfach, doch wir schafften es.

Es gab Tage, an denen ich ruhig im Pflegebett liegen sollte, doch wie denn? Mein Sohn hatte nun Homeschooling und auch das musste ich mit meinen dünnen Nervenkostüm schaffen. Wir schafften es dennoch und machten tolle Fortschritte <3

Nicht alles war schlecht 2020 und es mich in vielen Dingen zurückgeholt auf den Boden der Tatsachen.

Ich wünsche mir nur für das Jahr 2021 weniger Krankheiten, weniger kämpfen zu müssen, denn irgendwann wird man müde.

So habe ich lange überlegt was ich ändern muss – für mich, für meine Familie und habe weitreichende Entscheidungen getroffen.

Dazu an anderer Stelle vielleicht mal mehr.

 

Ich wünsche Euch von Herzen eine tolles Jahr 2021 und das ihr einfachmal nachdenkt, innehaltet, hinterfragt und nicht alles so hinnehmt wie man es euch serviert 🙂

Fangt an mit Euren Selbstmanagement und denkt daran:

Ihr seid niemanden Rechenschaft schuldig nur EUCH SELBST!!!

Auf ein gutes Jahr 2021