Seit Tagen rannte ich (sofern das mit meinen ollen Beinen ging) zum Wohnzimmerfenster. Drückte auf das Knöpfchen der Jalousie und hoffte, dass dieses Wetter uns keinen Strich durch die Rechnung machte. Die Wetterprognosen warnten vor einem Wintereinbruch und nannten ihn Egon. Ich bibberte jeden Morgen: „Ich möchte doch nach München und wenn Mama Fortuna ein bisschen Einsehen mit mir hat, dann lässt sie zu dass wir fahren, und dass wir freie Strassen haben.“

Wisst ihr, mein Glück bisher war immer nur begrenzt, einmal Glück kamen gleich wieder drei negativ Ereignisse,  die mir die Stimmung – oder sagen wir: mein Leben – verhagelten. Doch diesmal wird es anders sein! Ganz anders!!

Ich denke zur Zeit viel nach, warum hat Nicole das alles für mich gemacht? Sie kennt mich doch gar nicht. Doch irgendwas verbindet mich mit ihr, ich nenne Sie mittlerweile eine Freundin. Das ist wirklich so, ich kann mit ihr ehrlich und offen über alles reden. Also Nicole wenn du das liest: Danke, auch wenn das nicht das aussagt, was ich tief in mir fühle.

Samstag auf Sonntag war das Wetter sehr unbestimmt und wir gingen ins Bett ohne wirklich zu wissen, ob es klappt mit der Autofahrt.

Schliesslich haben wir ja auch Verantwortung mit im Auto , nicht nur mich durch halb Deutschland zu chauffieren, sondern auch unseren kleinen Sohn Maximilian. Wir wollten nichts riskieren, da unser Auto auch nicht das neueste ist.

Sonntag morgens direkt zur Jalousie und das Beste hoffen. Ich war schon sehr früh wach, packte noch dies und das ein. Ich wusste, dass wir fahren, nicht nur weil ich es wollte, sondern weil mir und meiner Familie doch auch mal was Tolles passieren soll.

Und jubel!!!! Wir konnten fahren!!!

Also schnell Dr. von Lukowicz Bescheid sagen: „Die Kerkhoffs sind unterwegs“ und ab auf die Autobahn. Direkt in der ersten Stunde hatten wir den ersten Stop, um den Kleinen komplett umzuziehen, da wir nicht rechtzeitig genug eine Toilette ansteuern konnten, als er mal musste. Na ja, so kleine Missgeschicke waren ja mit eingeplant und wir zogen ihn um. Ihm war das so peinlich, und er weinte herzzerreissend, da er dachte dass wir schimpfen würden. Er kann das nicht so lange zurückhalten und er war so lieb. Während der Weiterfahrt sangen wir, erzählten Geschichten und bestaunten die grossen Fahrzeuge. LKW und und und. Es war ja ein Abenteuerurlaub für ihn. Ausserdem haben wir uns darauf geeinigt, dass Flixbusse die bösen, grünen aus seinem Lieblingsfilm „Cars“ sind. Jedesmal, wenn er nun einen dieser Busse sah, brüllte er los: „PAPA, fahr schneller, wir müssen das Rennen gewinnen, wir müssen dran vorbeirasen“ und er freute sich so sehr, dass er sogar das erste Mal weinte, weil wir einen Flixbus überholten. Hach, er ist so ein herrlicher kleiner Mann 🙂

Im Auto ergaben sich natürlich allerlei Gespräche und so liess ich meinem Gedankenwirrwarr freien Lauf. Ich sagte Euch ja schon sooft, dass alles unbegreiflich ist für mich. Langsam kommt es auch bei mir an, was Dr. von Lukowicz und sein ganzes Team möglich machen wollen. Es ist grad wie ein Traum, also träume ich ihn nun mit und will nicht mehr daraus erwachen.

Die Fahrt war schon sehr anstrengend. Max hat sich zweimal eingenässt und war darüber, dass wir keinen Parkplatz schnell genug fanden sehr traurig. Er konnte nichts dafür, dass diese doofen Toiletten immer so weit verstreut sind. Einen Dreijährigen kann man ja nicht anmeckern deshalb. Irgendwann stand er dann bei einer Kaffepause in der Tankstellenstofftierabteilung und himmelte diese quietschbunten Tiere an. Dann kam er zu mir und sagte: „Mami, da ist ein ganz tolles, das möchte mein Freund sein und auf mich aufpassen, ich passe ja auf deine Bliffi auf und das passt auf mich auf“ Ich ging mit ihm mit und er zeigte mir so ein putziges Tierchen, dass Mama gar nicht anders konnte, als sich herunterzubeugen und zu sagen: „Geh‘ mal schnell nach Papa und frag, ob er ihn mitnimmt.“

Natürlich wurde „Slucky“ (Der Name es Stofftiers) mitgenommen und nun schleppt er es überall mithin.

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Wilkommen Slucky bei den Kerkhoffs 🙂

Weiter ging es, mittlerweile hatten wir richtig dicke Schneeflocken und gut 15  cm Schnee am Strassenrand. Dennoch kamen wir gut durch.

Meine Beine waren in der Kompressionsversorgung gut verpackt, etwas hochgelagert, so wie das halt ging in einem Auto und die Schmerzen hielten sich, naja, auf einem Level, der erträglich war. Schliesslich habe ich einen Traum und ich will weder mich, noch meine Wunschfee Nicole noch sonst wen enttäuschen. Wir hielten halt oft an, damit ich auch etwas stehen konnte.

17:00 Uhr kamen wir dann endlich in Dachau an und checkten im Hotel Central Garni ein.

Es war ein sehr sauberes Zimmer und wir hatten genug Platz. Erstmal frisch machen,  Max spielen lassen und ankommen. Der fand es prima und packte gleich sein Lego aus 🙂 Ich lag wie ein Käfer im Bett und wollte nur noch schlafen. Doch Max hatte andere Pläne. Also auf auf, und mit seiner Plüschtierarmee gespielt, da war es mir auch egal das mein Bauch das Sprungbrett war, denn ihr müsst wissen das waren keine gewöhnlichen Stofftiere… Nööö, es waren Rennautostofftiere.

Abends gingen wir noch was essen und unser Sohnemann bemerkte liebevoll: Mami, diese Stühle sind ja viel zu klein für dich, schau mal ich hab den grossen bekommen, willst du den? Es war so putzig denn wir hatten den gleichen Stuhl und meiner war halt unter meinen dicken Po begraben , währen Junior ja noch Platz hatte.

So assen wir noch schnell zusammen, der Max und ich, und dann wollten wir alle drei nur noch ins Hotel. Mir war kalt, ich war müde und wollte nur noch schlafen. Doch im Hotel kam es wie sooft ganz anders. Ich telefonierte mit meiner besten Freundin aus Bamberg und mit Nicole. Wie das so ist, geht die Zeit immer viel zu schnell herum. Also war es schon wieder später.

Die Betten waren sehr bequem, nur schade, dass Maximilian auch der Meinung war das es in unseren Ulaubszimmer so prima war. Seine Horde Plüschtiere lag mit im Bett und anfangs konnte ich ein bisschen zur Ruhe kommen. Meine Gedanken waren nun ganz in der Klinik und bei Dr. von Lukowicz.

Fragen schossen mir duch den Kopf, wie ich wohl auf diese Menschen wirke, so grübelte ich noch ein bisschen und entschied: Ich bin einfach Ich.

Fine, der Mensch der viele Dinge erlebte, mal tollpatschig, ist aber auch ehrlich. Ich werde mich nicht verstellen und so kann ich jeden Morgen in meinen Spiegel gucken und guten Mutes sein.

So schlief ich dann ein und freute mich so sehr, dass alles Sinn ergab.

Ich bin so stolz Nicole,  meinen Mann, den hübschen Doktor und sein Team  und meine Familie hinter mir zu haben und auch all die vielen Frauen, die mir helfen, dass ich meinen Traum ein Stück näher komme. Danke an alle!!

Da mir dieser Kurzurlaub doch in den Knochen steckt mache ich heute nicht weiter, sondern gehe in mein Bett. Doch ich kann Euch sagen, morgen gibt’s viel zu erzählen, und ihr werdet verstehen und mit einem lachenden Auge meinen Muskelkater bewundern. Jedenfalls mach ich das nun.